Mittwoch, 12. September 2012

„Facultad tomada con clases públicas por becas, edificio y contra las cesantías”



- "Fakultät besetzt mit öffentlichem Unterricht wegen Stipendien, Gebäude und gegen die Entlassungen" - um den Titel mal mehr oder minder wörtlich zu übersetzen.

Meine Fakultät wurde heute von den Studenten besetzt, was zur Folge hatte, dass die Kurse im Hof, auf der Straße oder auf den Gängen unterrichtet werden mussten. Es geht um Stipendien (becas), das Fakultätsgebäude (edificio) und die Entlassungen von Dozenten (cesantías). Die Stipendienzusammensetzung wurde wohl geändert, und jetzt sollen 125 Pesos im Monat für Kopien (ich gebe in der Woche für meine 3 Kurse mindestens 40-50 Pesos an Kopien aus), Essen und Fahrtgeld reichen. Dass das nicht aufgeht, ist offensichtlich, jedoch ist es schwierig, zu überblicken, wie das ganze vorher geregelt war und wer für was in welcher Form verantwortlich ist. Deshalb will ich mir hier keine Meinung anmaßen, sondern lediglich über die Geschehnisse berichten. Das größte Problem ist jedoch, dass der Großteil der Stipendien noch nicht ausbezahlt wurde, was angesichts der Tatsache, dass in ca. 2 Wochen „parciales“, Zwischenklausuren sind, wirklich unangenehm ist.



Auch fraglich ist, was das weitere Vorgehen ist, bzw. wie lange dieser „Streik“ anhalten wird. Meine Dozentin heute meinte, je nach Thema kann sich so eine Sache von einem Tag bis zu einem Semester hinziehen. Heute wird in einer studentischen Vollversammlung entschieden, wie es weitergeht. Na dann, das kann ja heiter werden.

Heute jedenfalls saßen wir auf dem Gang und versuchten da, unseren „Wissenschaftliches Schreiben“-Kurs durchzuziehen. War eher schwierig…zunächst saßen um uns herum noch 3 andere Seminare, und jeder versuchte, den anderen zu übertönen. Und außerdem kamen alle 5 Minuten entweder Studenten des CEFyL („Centro de Estudiantes de Filosofía y Letras“, so eine Art ASTA) mit Flugblättern, um uns über die Aktionen in und um die Fakultät aufzuklären, oder aber Patienten des „Hospital La Borda“, dem Krankenhaus für psychisch Kranke mit dem bekannten Radiosender „La Colifata“ (hier ein Link zum Dokumentarfilm-Trailer, hat sogar englische Untertitel: http://www.youtube.com/watch?v=trkmRBHL5Lc), um uns um eine Spende zu bitten, da das Krankenhaus wohl von der Schließung bedroht ist. Zum „Hospital la Borda“ aber vielleicht ein andermal mehr (ich muss mich näher informieren), da das erstens eine Geschichte für sich ist, die es wert ist, zu erzählen, und zweitens, da eine Schließung wirklich ein Verlust wäre, den man versuchen sollte, zu verhindern.



Jedenfalls brachen wir den Kurs schließlich eine halbe Stunde vor Schluss ab, weil wir unser eigenes Wort nicht mehr verstanden. Wie gesagt, man kann gespannt sein, was der Rest der laufenden Woche bringt und ob wir bald wieder „normalen“ Unterricht haben werden…

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